Es gibt – grob zusammengefasst – 2 Arten von Angriffen. Den spontanen Angriff und den geplanten Angriff.
Spontan heisst, ich kippe meinem Nachbarn aus Versehen ein Bier über die Hose, der hatte eh einen schlechten Tag und schlägt sofort zu. Oder ich diskutiere in der Kneipe mit jemandem über den besten Fussballverein und irgendwann hat er keine Lust mehr auf reden, aber auf schlagen. Sowas passiert, sowas ist unschön. Dagegen kann man sich schwer schützen, aber verteidigen.
Interessanter ist der geplante Angriff. Da gibt es zum Beispiel Hooligans, die zum Fussball gehen um danach jemanden zu verhauen. Oder der beste Freund, der leider doch herausgefunden hat, dass wir eine Affäre mit seiner Frau haben.
Am interessantesten sind die typischen Schläger mit hohem Gewaltpotenzial, die auf die Strasse gehen mit dem Vorsatz „heute schlage ich jemandem die Zähne aus„. Das sind die wirklich gefährlichen Personen im Rahmen der Selbstverteidigung. Wenig Hemmungen, null Empathie, viel Erfahrung im zusammenschlagen von Mitmenschen.
Kann man die ersten beiden vielleicht noch mit Worten beruhigen und sich aus der Situation heraus quatschen, geht das bei der dritten Person nicht. Er wird uns schlagen. Da hilft die Einstellung „wenn ich nichts mache, lässt man mich in Ruhe“ oder „wenn man vernünftig argumentiert, kann man den Gegenüber beruhigen“ gar nicht.
Das ist wichtig zu wissen um zu verstehen, dass man um manche Auseinandersetzung nicht herum kommt. Und dann sollte man vorbereitet sein.
Ein Angreifer mit diesem festen Vorsatz geht folgendermassen vor.
Zielauswahl
Er sucht sich ein Opfer, von dem keine allzu grosse Gegenwehr zu erwarten ist. Er möchte sich nicht messen, sucht keinen Gegner, sondern ein Opfer. Wir hatten es vorher schon einmal. Seid aufmerksam, damit ihr diese Gefahr im Vorfeld erkennt. Wechselt ggf. rechtzeitig die Strassenseite und schaut, ob die Person hinterher kommt.
Positionierung
Ist das Los auf euch gefallen, kommt ihr aus der Nummer nicht mehr raus. Habt ihr eine Waffe, holt sie heraus (Kubotan, etc.). Der Angreifer wird nun Kontakt aufnehmen. Denkbar ist „wie spät ist es“ oder „hast du mal ne Zigarette“ oder einfach „du Hund, ich mach dich fertig„. Das heisst nicht, dass ihr jeden, der nach Uhrzeit, Weg, Kleingeld oder Zigarette fragt zusammen knüppelt. Aber ihr werdet es merken, ob ihr zufällig, oder ganz gezielt angesprochen werdet.
Übergriff
Wenn ihr merkt, ohne Hauerei kommt ihr nicht davon, dann versucht den Plan des Angreifers zu durchbrechen. Heisst, schlagt ggf. zuerst. Es ist einfacher den Erstschlag zu machen, als auf einen Angriff des Angreifers zu reagieren, der auf verschiedenste Arten erfolgen kann. In seinem Kopf hat er durchgeplant, wie er uns zusammenschlägt, das müssen wir durchbrechen. Im Zweifel reicht ein Tritt zwischen die Beine oder mit den Fingern in die Augen zu stechen oder zu kratzen. Selbstverteidigung heisst nicht, den Kampf bis zu ende zu kämpfen und den Gegner zu besiegen. Auch den Angreifer kurz beschäftigen um sich ein Fenster zur Flucht zu verschaffen, ist Selbstverteidigung. Hier gibt es ein schönes Zitat:
Everybody has a plan, until they get punched in the face.
Jeder hat einen Plan, bis man ihm ins Gesicht schlägt.