Ein Mittel, was immer wieder zur Selbstverteidigung angepriesen wird, ist Pfefferspray. Dabei darf Pfefferspray eigentlich nicht gegen Menschen eingesetzt werden. Kurz zu den Fakten:
- Pfefferspray ist offiziell nicht zur Selbstverteidigung zugelassen, es ist nur zur Tierabwehr (aggressive Hunde, etc.) zugelassen
- auf dem Spray muss DEUTLICH stehen, dass es zur Tierabwehr gedacht ist. Verschwindet dieser Hinweis in einer Beschreibung auf der Rückseite oder fehlt ganz, ist das mitführen des Sprays verboten
- kommt man mit dem zur Tierabwehr mitgeführten Spray in eine Selbstverteidigungssituation, darf man es zur Selbstverteidigung nutzen.
Klingt bescheuert? Stimmt, aber so ist die deutsche Rechtsprechung.

Pfefferspray hat sowohl Vorteile, als auch Nachteile. Ich habe – für ein Selbstverteidigungsseminar mal eine Dose leergesprüht. Ich wollte den teilnehmern keine volle Dose hinstellen, hinter drückt da jemand drauf. Folgendes ist passiert:
- die Sprühdüse hat „gesabbert“ und mir ist auch Pfefferspray auf meine Finger gekommen. Es hat zwei Tage gedauert bis es soweit weg war, dass ich mir mit dem Finger wieder die Augen reiben konnte. Und ich habe mir die Finger mehrfach gewaschen
- die Dose war nicht ganz leer, das Treibgas allerdings komplett raus. Also habe ich unten zwei Löcher rein gemacht, um die Dose auszuspülen. Schon beim ausspülen der Dose, ohne Treibgas, hatte ich deutliche Reizerscheinungen, wie Husten, laufende Nase, tränende Augen, etc.
Pfefferspray verführt – schon aufgrund der Grösse der Dose – dazu, sie in irgendeiner Tasche zu transportieren. Man hat also im Notfall keinen schnellen Zugriff. Dafür ist die Reizwirkung vermutlich ganz extrem und setzt – richtig getroffen – vermutlich jeden Angreifer ausser Gefecht. Damit kommen wir aber auch direkt zu einem Nachteil. Zum einen ist bei den meisten Sprays die Verteilung des Strahls überschaubar. Zum anderen wird der Strahl von stärkerem Wind schnell verteilt. Und zu guter Letzt, sprüht man gegen den Wind, setzt man sich selber ausser Gefecht und macht es dem Angreifer noch einfacher.
Stellt man sich jetzt also eine akute Selbstverteidigungssituation vor, muss man
- das Pfefferspray suchen und greifen
- den Wind beachten, damit man sich nicht selber trifft
- den Wind beachten, damit man den Angreifer trifft
- hoffen, dass da Ablaufdatum noch nicht erreicht ist (Pfefferspray hat ein Ablaufdatum)
- den Sicherheitsmechanismus des Spühkopfs lösen (die Dosen sind gegen versehentliches drücken gesichert)

Das alles innerhalb weniger Sekunden, die man bei einem Angriff hat, wobei man zusätzlich noch in einer Ausnahmesituation ist, Angst hat, aufgeregt ist, Adrenalin ausgeschüttet wird.
Wer trotzdem auf Pfefferspray setzen möchte, dem empfehle ich den Kauf von mindestens 2 Dosen. Eine zum testen/üben und eine zum nutzen. Ausserdem solltet ihr euch da Ablaufdatum mit Erinnerung im Handy speichern, um keine böse „warum funktioniert das nicht“ Überraschung zu erleben.
Eine Arbeitskollegin hat mich angesprochen, sie hat beim joggen immer ein Pfefferspray dabei, fühlt sich aber nicht wirklich sicher. Nachdem wir ein paar Minuten darüber gesprochen haben, nimmt sie jetzt einen Kubotan mit Gummiband mit. Den kann sie schon vor dem laufen in die Hand nehmen, er stört nicht, kann nicht verloren werden und sie ist ist sofort verteidigungsfähig.