Tritte werden sehr häufig in der Selbstverteidigung eingesetzt, bzw. von Trainern beigebracht. Dabei sind diese durchaus kritisch zu betrachten.
Unterscheiden wir erst einmal nach hohen Kicks und niedrigen Kicks und dann nach Kicks mit Mann-Stopp-Wirkung und Kicks ohne Mann-Stopp-Wirkung, sowie Grundlagen der Kicks.
Grundsätzlich ist ein Kick eine gute Sache. Die Reichweite eines Beins ist grösser als die eines Arms und in der Regel ist die Beinmuskulatur stärker als die des Arms.
Allerdings nur, wenn man richtig treten kann. Ein halbherziger Tritt ohne Power und aus einer wackeligen Position heraus schadet mehr, als dass er nutzt.
Eine wackelige Position erhält man, wenn man entweder auf falschem Untergrund steht (Sand, weicher Rasen, etc.). Dann kann man kein vernünftiges Gleichgewicht aufbauen. Ausserdem steht man unsicher, wenn man kicken nicht trainiert hat und sich selber dadurch nicht stabilisieren kann.
Hat man treten nicht trainiert, verschätzt man sich schnell mit der Entfernung, das sehe ich in meinen Trainings immer wieder. Entweder ist der Angreifer noch zu weit weg und der Tritt geht ins leere, oder er ist schon zu nah und die Kraft des Tritts verpufft. Schlimmstenfalls werden wir bei „zu nah“ zusätzlich über den Haufen gerannt.
Dann gibt es hohe Kicks, z.B. zum Kopf. Diese sind – gegen geübte Gegner (Kampfsportler, Strassenschläger) – bedenklich. Zum einen ist die Ausholbewegung eine verhältnismässig lange bis zum Ziel, zum andern wird jede Stabilität zunichte gemacht, wenn der Angreifer den Tritt unterläuft, oder nach einem Treffer ohne echte Wirkung in uns fällt oder stolpert, denn das Bein ist weit oben und muss auch wieder weit runter, um sicher zu stehen. Dann steht der Angreifer, wir liegen – schlechte Ausgangslage. Noch ein Problem sind versteckte Waffen des Angreifers. Bei hohen Kicks bieten wir die Schenkelinnenseite zum Angriff an. Dort verläuft die Blutversorgung der Beine. Ein Treffer mit einem Messer oder einer sonstigen, zuerst verborgenen, Waffe, führt relativ schnell zum verbluten.
Niedrige Kicks gehen in der Regel am Körper maximal bis zu den Rippen, eher zwischen die Beine oder die Knie. Beides erzielt auch bei nicht perfektem Treffer eine gewisse Wirkung, die den Angreifer kampfunfähig machen kann.
Ich bevorzuge grundsätzlich Kicks mit Mann-Stopp-Wirkung. Das heisst, ein Gegner wird daran gehindert, weiter auf uns zuzukommen. Einen auf uns zulaufenden Angreifer kann man mit einen geraden Tritt nach vorne oder mit einem seitlichen Tritt ganz gut stoppen. Ein Halbkreistritt, egal wohin, stoppt ihn nicht. Und wenn dieser nicht richtig trifft ist der Angreifer schnell in Clinch-Distanz, wo wir in in der Selbstverteidigung eigentlich nicht haben wollen.
Kicks ohne Mann-Stopp-Wirkung können aber trotzdem hilfreich sein, der Angreifer darf sich nur nicht wirklich auf uns zu bewegen. Beispielsweise bei Drohgebärden oder langsamer, schrittweiser Annäherung. Hier kann z.B. ein Halbkreistritt zum Knie Wunder wirken, weil das Ziel – das Knie – relativ statisch an einer Stelle bleibt und ein festes Ziel bietet, das sich kaum bis gar nicht bewegt. Und bei langsamer Annäherung bekommt der Angreifer halt erst ein oder zwei Schläge ins Gesicht, was ihn in der Regel stoppt, und dann einen Kick zum Knie oder zwischen die Beine.
Was heisst das zusammengefasst?
- Kicks müssen trainiert werden (Kraft, Distanzgefühl, Standsicherheit)
- auf die Bodenbeschaffenheit ist zu achten
- möglichst nur niedrige Kicks anwenden
- bewegliche Angreifer – Kicks mit Mann-Stopp-Wirkung
- unbewegliche Angreifer – auch Kicks ohne Mann-Stopp-Wirkung möglich
- langsame, bewegliche Angreifer – mit einer Ersttechnik (Schlag ins Gesicht oder etwas ins Gesicht werfen) stoppen und dann einen Kick ohne Mann-Stopp-Wirkung (kann ich ihn mit Schlägen stoppen, ist er für Kicks mit Mann-Stopp-Wirkung schon zu nah dran)