Wie läuft eigentlich so ein Selbstverteidigungstraining ab?

Oft gibt es Berührungsängste „Selbstverteidigung, bestimmt voll brutal und da ich nichts kann, tun mir die, die schon lange dabei sind bestimmt weh, ich lasse das lieber“.

NEIN

Wir starten mit etwas aufwärmen und dehnen. Das sorgt dafür, dass die Muskeln warm und der Körper geschmeidig wird. Damit verhindert man Verletzungen durch überdehnen, z.B. bei schnellen Bewegungen.

Dann starten wir mit dem Techniktraining. Wenn nötig, werden Übungen, die anspruchsvoller sind, vorab in kleine Häppchen zerlegt und dann zusammengefügt. So stellen wir sicher, dass jeder mitkommt, niemand überfordert wird und die Technik letztendlich so ausgeführt wird, dass sie auch wirklich funktioniert.

Dann wird das im Partnertraining eingesetzt. Als Trainer versuchen wir immer, einem unerfahrenen Anfänger einen erfahrenen Trainingspartner an die Seite zu stellen. Dieser hat die Erfahrung, Techniken auch langsam und sicher für den Anfänger auszuführen und ggf. auch zu korrigieren. Denn bei 10-20 Teilnehmern können wir Trainer nicht immer überall sein. So stellen wir sicher, dass sich nichts falsches einschleift, was man später nur schwer wieder abtrainieren kann.

Dabei trainieren wir gemischt, Männer mit Frauen und führen, wenn die Technik sitzt, regelmässige Partnerwechsel durch. Denn oft funktioniert die Technik mit einem Partner immer, weil man dessen Bewegungsablauf verinnerlicht hat. Bei einem anderen Partner, der sich anders bewegt, wird es schwieriger. Aber es muss ja immer funktionieren. Und gerade Frauen werden ja oft von Männern bedroht. Was heisst (in der Regel): grösser, schwerer, stärker, brutaler.

Ich habe mal einen Bericht einer SV-Trainerin gelesen, die auschliesslich Frauen trainiert. Begründung: sie möchte Frauen einen „safe place“ bieten. Nachvollziehbar, aber für den Ernstfall Schwachsinn. Wenn ich im Training sehe, dass zwei Frauen zusammen trainieren, die Technik nicht richtig ausgeführt wird und nur funktioniert, weil der Trainingspartner – auch eine Frau – nicht genügend Kraft und Masse hat, um gegenzuhalten, ändere ich entweder die Paarung und stelle ihr einen Mann an die Seite, oder ich trainiere selber ein paar Minuten mit ihr. Da stellt sie dann fest: „funktioniert nicht“. Dann bessere ich nach und schon klappt es auch bei Männern.

Letztendlich – und da spreche ich jetzt für unsere Schule und mich, sowie alle Trainer unserer Schule – legen wir maximalen Wert darauf, dass

  • sich niemand unwohl oder unsicher fühlt
  • niemand Angst vor Verletzungen haben muss
  • sich jeder bei seinem Wissensstand abgeholt fühlt
  • bei jedem die Techniken funktionieren, sonst bieten wir Alternativen an, speziell für diese Person
  • wir ein familiäres Verhältnis untereinander haben
  • wir Zweifel ausräumen, diskutieren, wenn es sein muss Techniken ändern oder anpassen, wenn ihr der Meinung seid, das ist Unsinn, was wir gerade zeigen. Konstruktiver Kritik stehen wir offen gegenüber

Jeder soll mit dem Gefühl nachhause gehen, etwas gelernt zu haben und sicherer zu sein. Wir stellen daher Techniken immer wieder im laufenden Training auf den Prüfstand. Und wenn wir merken, etwas funktioniert nicht immer richtig, oder etwas anderes funktioniert besser, dann ändern wir das. Niemand soll denken, dass man nur seinen Monatsbeitrag haben möchte, ob er/sie dafür etwas sinnvolles bekommt, ist uns egal. Unser Ziel ist funktionierende Selbstverteidigung für jeden.